Eigenschaften von KH2AsO4 (Monokaliumarsenat):
Elementare Zusammensetzung von KH2AsO4
Monokaliumarsenat (KH₂AsO₄): Chemische VerbindungWissenschaftlicher Übersichtsartikel | Chemie-Referenzreihe
AbstraktMonokaliumarsenat, systematisch als Kaliumdihydrogenarsenat mit der chemischen Formel KH₂AsO₄ bezeichnet, stellt eine anorganische Verbindung von erheblicher industrieller und chemischer Bedeutung dar. Dieser weiße kristalline Feststoff weist eine Dichte von 2,867 g/cm³ auf und schmilzt bei 288°C unter Zersetzung. Die Verbindung kristallisiert im tetragonalen System mit der Raumgruppe I4₁/amd und den Gitterparametern a = 7,684 Å und c = 7,027 Å. Als Derivat der Arsensäure zeigt es ein charakteristisches Säure-Base-Verhalten mit pKₐ₁ = 2,19 und pKₐ₂ = 6,94 für seine konjugierten Säure-Base-Paare. Monokaliumarsenat dient als entscheidendes Ausgangsmaterial bei der Synthese von arsenhaltigen Verbindungen, insbesondere Pestiziden und Holzschutzmitteln. Seine Molekularstruktur weist tetraedrische Arsenat-Anionen auf, die über Wasserstoffbrücken mit Kalium-Kationen verbunden sind und ein dreidimensionales Netzwerk mit unverwechselbaren spektroskopischen Signaturen bilden. EinführungMonokaliumarsenat, auch bekannt als Kaliumdihydrogenarsenat oder Macquers Salz, ist eine anorganische Verbindung, die zur Klasse der Arsenat-Minerale gehört. Diese Verbindung hat historische Bedeutung sowohl in der analytischen Chemie als auch in industriellen Anwendungen, insbesondere bei der Formulierung von Pestiziden. Die systematische IUPAC-Nomenklatur identifiziert es als Kaliumdihydrogenarsenat, was seine strukturelle Beziehung zur Arsensäure widerspiegelt. Erstmals im 18. Jahrhundert durch Calcinationsprozesse hergestellt, hat Monokaliumarsenat aufgrund seiner wohldefinierten Kristallstruktur und vorhersehbaren chemischen Eigenschaften seine Relevanz in der modernen chemischen Praxis beibehalten. Die Verbindung fällt in die breitere Kategorie der Metallarsenate, die eine vielfältige Strukturchemie und Anwendungen von der Materialwissenschaft bis zur Agrikulturchemie aufweisen. Molekularstruktur und BindungMolekulare Geometrie und elektronische StrukturDie molekulare Architektur von Monokaliumarsenat konzentriert sich auf das Arsenat-Anion (H₂AsO₄⁻), das eine tetraedrische Geometrie annimmt, die mit den Vorhersagen der VSEPR-Theorie für AX₄-Spezies übereinstimmt. Das zentrale Arsenatom mit der Elektronenkonfiguration [Ar]3d¹⁰4s²4p³ erreicht eine formale sp³-Hybridisierung durch die Bildung von vier σ-Bindungen zu Sauerstoffatomen. Röntgenbeugungsstudien zeigen As-O-Bindungslängen zwischen 1,66 und 1,72 Å, wobei die kürzeren Bindungen terminalen As=O-Wechselwirkungen und die längeren Bindungen As-OH-Gruppen entsprechen. Die Bindungswinkel am Arsenzentrum betragen etwa 109,5°, was mit einer idealen tetraedrischen Geometrie übereinstimmt. Das Kalium-Kation (K⁺) koordiniert an acht Sauerstoffatome benachbarter Arsenat-Anionen und bildet eine verzerrte quadratisch-antiprismatische Koordinationsgeometrie mit K-O-Abständen zwischen 2,76 und 3,15 Å. Dieses Koordinationsmuster erzeugt ein dreidimensionales Netzwerk, das sowohl durch ionische Wechselwirkungen zwischen K⁺- und H₂AsO₄⁻-Ionen als auch durch ausgedehnte Wasserstoffbrückenbindungen zwischen Arsenat-Anionen stabilisiert wird. Die elektronische Struktur weist einen Ladungstransfer von Sauerstoff-Einsenpaaren zu leeren d-Orbitalen des Arsens auf, was zur Stabilität der tetraedrischen Anordnung beiträgt. Chemische Bindung und intermolekulare KräfteDie kovalente Bindung innerhalb des Arsenat-Anions zeigt einen partiellen Doppelbindungscharakter für die As=O-Bindungen, wobei die Bindungsdissoziationsenergien auf 464 kJ/mol für As-O-Einfachbindungen und 582 kJ/mol für As=O-Doppelbindungen geschätzt werden. Die As-OH-Bindungen zeigen typische Einfachbindungseigenschaften mit Bindungslängen von 1,72 Å. Intermolekulare Kräfte dominieren die Festkörperstruktur, wobei starke ionische Wechselwirkungen zwischen Kaliumkationen und Arsenatanionen die primäre Kohäsionsenergie liefern. Wasserstoffbrückenbindungen zwischen Arsenat-Anionen erzeugen ein ausgedehntes Netzwerk mit O···O-Abständen von 2,65 bis 2,78 Å und Wasserstoffbrückenenergien von etwa 17-25 kJ/mol pro Wechselwirkung. Diese Wasserstoffbrücken folgen dem Muster O-H···O═As, wobei das Wasserstoffatom asymmetrisch zwischen den Sauerstoffatomen positioniert ist. Die Verbindung zeigt eine signifikante Polarität mit einem berechneten molekularen Dipolmoment von 3,2 Debye für das isolierte H₂AsO₄⁻-Anion, obwohl diese Polarität im kristallinen Zustand weitgehend durch symmetrische Koordination an Kaliumkationen ausgeglichen wird. Physikalische EigenschaftenPhasenverhalten und thermodynamische EigenschaftenMonokaliumarsenat präsentiert sich als weißer, kristalliner Feststoff mit einer Dichte von 2,867 g/cm³ bei 298 K. Die Verbindung schmilzt unter Zersetzung bei 288°C, was die Beobachtung einer echten Flüssigphase verhindert. Die thermische Analyse zeigt zwei endotherme Ereignisse: das erste bei 150°C, das der Dehydratisierung entspricht, und das zweite bei 288°C, das die Zersetzung zu Kaliummetaarsenat (KAsO₃) und Wasser darstellt. Die Bildungsenthalpie beträgt -1024 kJ/mol, während die Bildungsentropie -135 J/mol·K beträgt. Die Kristallstruktur gehört zum tetragonalen System mit der Raumgruppe I4₁/amd und den Einheitszellparametern a = 7,684 Å, c = 7,027 Å und Z = 4. Die Verbindung zeigt unter Standardbedingungen keine bekannten polymorphen Formen. Der Brechungsindex misst 1,498 entlang des ordentlichen Strahls und 1,510 entlang des außerordentlichen Strahls, was auf eine moderate Doppelbrechung hinweist. Bestimmungen der spezifischen Wärmekapazität ergeben Werte von 125 J/mol·K bei 298 K, wobei die Temperaturabhängigkeit bis zu 250°C dem Debye-Modell folgt. Spektroskopische EigenschaftenDie Infrarotspektroskopie zeigt charakteristische Schwingungsmoden für das Arsenat-Anion: asymmetrische As-O-Streckung bei 850 cm⁻¹, symmetrische As-O-Streckung bei 810 cm⁻¹, As-O-H-Biegung bei 1040 cm⁻¹ und O-H-Streckung bei 3200 cm⁻¹. Die Raman-Spektroskopie zeigt starke Banden bei 810 cm⁻¹ und 850 cm⁻¹, die Arsenat-symmetrischen bzw. asymmetrischen Streckschwingungen entsprechen. Der O-H-Streckbereich zeigt breite Banden zwischen 2800-3400 cm⁻¹, die auf starke Wasserstoffbrückenbindungen hinweisen. Die Kernspinresonanzspektroskopie von gelösten Proben zeigt ⁷⁵As-NMR-Verschiebungen bei -120 ppm relativ zum Na₂HAsO₄-Referenzwert, was mit einer tetraedrischen Arsenkoordination übereinstimmt. Das ¹H-NMR-Spektrum zeigt ein einzelnes Signal bei 4,8 ppm für die austauschbaren Protonen, während ³⁹K-NMR eine chemische Verschiebung von 15 ppm relativ zur KCl-Referenz zeigt. Die UV-Vis-Spektroskopie zeigt keine signifikante Absorption oberhalb von 220 nm, was mit dem Fehlen von Chromophoren jenseits der Arsenatgruppe übereinstimmt. Chemische Eigenschaften und ReaktivitätReaktionsmechanismen und KinetikMonokaliumarsenat fungiert in wässriger Lösung als schwache Säure und beteiligt sich an Säure-Base-Gleichgewichten, die für zweiprotonige Säuren charakteristisch sind. Die erste Dissoziationskonstante pKₐ₁ = 2,19 entspricht dem Gleichgewicht H₃AsO₄ ⇌ H₂AsO₄⁻ + H⁺, während die zweite Dissoziation pKₐ₂ = 6,94 H₂AsO₄⁻ ⇌ HAsO₄²⁻ + H⁺ bestimmt. Diese Werte deuten auf eine deutlich schwächere Säurestärke im Vergleich zu Phosphorsäure-Analoga hin, was die reduzierte Elektronegativität von Arsen gegenüber Phosphor widerspiegelt. Der thermische Zersetzung folgt einer Kinetik erster Ordnung mit einer Aktivierungsenergie von 145 kJ/mol und verläuft durch Eliminierung von Wasser unter Bildung von Kaliummetaarsenat (KAsO₃). Die Geschwindigkeitskonstante beträgt 2,4 × 10⁻⁴ s⁻¹ bei 250°C. Unter alkalischen Bedingungen unterliegt Monokaliumarsenat einer Umwandlung zu Dinatriumhydrogenarsenat (K₂HAsO₄) mit Kinetik zweiter Ordnung und einer Geschwindigkeitskonstanten von k = 3,8 × 10⁻³ M⁻¹s⁻¹ bei 25°C. Reduktionsreaktionen mit gängigen Reduktionsmitteln verlaufen langsam und erfordern starke Reduktionsbedingungen zur Bildung von Arsenit-Spezies. Säure-Base- und Redox-EigenschaftenDas Säure-Base-Verhalten von Monokaliumarsenat zeigt Pufferkapazität im pH-Bereich 1,5-3,0 und 6,0-8,0, entsprechend den pKₐ-Werten seiner konjugierten Säure-Base-Paare. Titrationskurven zeigen zwei distincte Wendepunkte bei pH 2,19 und 6,94 mit Pufferkapazitäten von 0,12 mol/L·pH bzw. 0,08 mol/L·pH. Die Verbindung bleibt in wässriger Lösung zwischen pH 2 und 10 stabil, außerhalb dieses Bereichs kommt es zur Hydrolyse oder Ausfällung. Redox-Eigenschaften umfassen ein Standardreduktionspotential von E° = 0,56 V für das H₃AsO₄/H₃AsO₃-Paar bei pH 0. Das Reduktionspotential zeigt eine starke pH-Abhängigkeit und nimmt um 0,059 V pro pH-Einheit zu. Oxidationsreaktionen erfordern starke Oxidationsmittel wie Permanganat oder Dichromat und verlaufen zu Arsen(V)-Spezies. Die Verbindung zeigt moderate Stabilität gegenüber atmosphärischer Oxidation, wobei unter Ambientbedingungen über 30 Tage weniger als 5% Oxidation beobachtet werden. Synthese und HerstellungsmethodenLaborsyntheseroutenDie Laborherstellung erfolgt typischerweise durch Neutralisation von Arsensäure mit Kaliumhydroxid im stöchiometrischen Verhältnis. Die Reaktion H₃AsO₄ + KOH → KH₂AsO₄ + H₂O verläuft exotherm mit ΔH = -48 kJ/mol. Die Standardmethode umfasst das Lösen von Arsenpentoxid (As₂O₅) in destilliertem Wasser zur Bildung von Arsensäure, gefolgt von der sorgfältigen Zugabe von Kaliumhydroxidlösung bis pH 4,0 erreicht ist. Die Kristallisation erfolgt durch langsames Verdampfen bei 40°C, wobei farblose Kristalle mit typischen Ausbeuten von 85-90% entstehen. Alternative Syntheserouten umfassen Metathesereaktionen zwischen Kaliumsulfat und Bariumarsenat, gefolgt von Filtration zur Entfernung des Bariumsulfat-Niederschlags. Die Reaktion verläuft als BaHAsO₄ + K₂SO₄ → KH₂AsO₄ + BaSO₄, wobei Ausbeuten von über 95% erreicht werden, wenn sie in heißer wässriger Lösung durchgeführt wird. Reinigungsmethoden umfassen typischerweise Umkristallisation aus Wasser, wobei Verunreinigungsgrade unter 0,5% durch zwei Kristallisationszyklen erreichbar sind. Die Verbindung kann auch durch Calcination von Arsenoxid mit Kaliumnitrat bei 400°C hergestellt werden, gefolgt von wässriger Extraktion und Kristallisation. Analytische Methoden und CharakterisierungIdentifikation und QuantifizierungZur qualitativen Identifikation werden Fällungstests mit Silbernitrat verwendet, die einen schokoladenbraunen Silberarsenat (Ag₃AsO₄)-Niederschlag erzeugen, der in Salpetersäure löslich, aber in Essigsäure unlöslich ist. Der Molybdänblau-Test ermöglicht einen empfindlichen Nachweis mit Nachweisgrenzen von 0,1 μg Arsen durch Bildung von Arsenomolybdat-Komplexen. Die Röntgenbeugung dient als definitive Identifikationsmethode mit charakteristischen Peaks bei d-Werten von 4,42 Å (100), 3,47 Å (110) und 2,67 Å (101). Die quantitative Analyse nutzt typischerweise gravimetrische Methoden durch Fällung als Magnesiumammoniumarsenat gefolgt von Verglühung zu Magnesiumpyroarsenat (Mg₂As₂O₇). Volumetrische Methoden verwenden iodometrische Titration nach Reduktion zu Arsenit mit Nachweisgrenzen von 0,1 mg/L. Instrumentelle Techniken umfassen Atomabsorptionsspektroskopie mit Graphitofen-Nachweis (Grenze 0,01 μg/L) und Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma mit Nachweisgrenzen unter 0,001 μg/L. Die Röntgenfluoreszenzanalyse ermöglicht eine zerstörungsfreie Analyse mit einer Genauigkeit von ±2% für die Arsenbestimmung. Anwendungen und VerwendungenIndustrielle und kommerzielle AnwendungenMonokaliumarsenat dient primär als Vorläufer bei der Herstellung von arsenbasierten Pestiziden, insbesondere Bleiarsenat- und Calciumarsenat-Insektiziden. Die Verbindung findet Anwendung in Holzschutzbehandlungen, wo sie Schutz vor Pilzbefall und Insektenbefall bietet. Industrielle Produktionsschätzungen weisen auf einen jährlichen globalen Verbrauch von etwa 5000 Tonnen hin, primär für landwirtschaftliche und Konservierungsanwendungen. Zusätzliche industrielle Verwendungen umfassen die Formulierung von Spezialgläsern mit verbesserten Brechungsindizes, bei denen der Arsenanteil die optischen Eigenschaften verbessert. Die Verbindung dient als Katalysator bei bestimmten organischen Transformationen, insbesondere Veresterungs- und Dehydratisierungsreaktionen, obwohl diese Anwendungen mit der Entwicklung weniger toxischer Alternativen zurückgegangen sind. Galvanikbäder incorporieren gelegentlich Monokaliumarsenat zur Abscheidung von arsenhaltigen Legierungen mit spezifischen Materialeigenschaften. Historische Entwicklung und EntdeckungDie Entdeckung von Monokaliumarsenat datiert auf die Arbeiten des französischen Chemikers Pierre Macquer im 18. Jahrhundert zurück, der die Verbindung erstmals als "Macquers Salz" in seinen Untersuchungen von Arsenverbindungen beschrieb. Frühe Herstellungsmethoden umfassten das Schmelzen von Arsentrioxid mit Kaliumnitrat, ein Prozess, der bis zur Verbesserung durch nachfolgende Forscher unreines Produkt ergab. Die Kristallstruktur der Verbindung wurde erstmals 1932 durch Zachariasen mittels Röntgenbeugung bestimmt, der die tetragonale Symmetrie und das Wasserstoffbrückennetzwerk etablierte. Industrielle Anwendungen entwickelten sich im frühen 20. Jahrhundert mit dem Aufstieg arsenbasierter Pestizide, insbesondere nach der Einführung von Bleiarsenat als Insektizid im Jahr 1892. Die Rolle der Verbindung als Vorläufer für andere Arsenverbindungen sicherte ihre fortgesetzte Produktion trotz zunehmender regulatorischer Beschränkungen für Arsenverbindungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Moderne Charakterisierungsmethoden, einschließlich Neutronenbeugung und spektroskopischer Techniken, haben das Verständnis ihrer Molekularstruktur und chemischen Eigenschaften verfeinert. SchlussfolgerungMonokaliumarsenat repräsentiert eine chemisch bedeutsame Verbindung mit gut charakterisierten strukturellen und chemischen Eigenschaften. Sein tetraedrisches Arsenat-Anion, koordiniert an Kalium-Kationen, erzeugt ein stabiles Kristallgitter, das durch ionische Wechselwirkungen und Wasserstoffbrückenbindungen unterstützt wird. Das Säure-Base-Verhalten der Verbindung folgt vorhersehbaren Mustern für zweiprotonige Säuren, wobei die pKₐ-Werte die elektronischen Eigenschaften von Arsen widerspiegeln. Während historische Anwendungen in Pestiziden und Holzschutz aufgrund von Toxizitätsbedenken zurückgegangen sind, behält die Verbindung Bedeutung als chemisches Ausgangsmaterial und Referenzmaterial in der analytischen Chemie. Zukünftige Forschungsrichtungen könnten ihr Potenzial in materialwissenschaftlichen Anwendungen untersuchen, insbesondere in spezialisierten Glasformulierungen und katalytischen Systemen, wo ihre einzigartigen Eigenschaften Vorteile gegenüber weniger toxischen Alternativen bieten könnten. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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