Eigenschaften von C6H6N2O2 (Urocansäure):
Elementare Zusammensetzung von C6H6N2O2
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Urokansäure (C6H6N2O2): Chemische VerbindungWissenschaftlicher Übersichtsartikel | Chemie-Referenzserie
ZusammenfassungUrokansäure, systematisch als (2E)-3-(1H-Imidazol-4-yl)prop-2-enoic acid bezeichnet, ist eine ungesättigte Carbonsäure mit der Summenformel C6H6N2O2 und einer molaren Masse von 138,124 g/mol. Diese heterocyclische Verbindung liegt unter Standardbedingungen überwiegend als Trans-Isomer vor, charakterisiert durch einen kristallinen Feststoffzustand mit einem Schmelzpunkt von 225°C. Das Molekül enthält eine α,β-ungesättigte Carbonsäurefunktionalität, die mit einem Imidazolringsystem konjugiert ist, was zu charakteristischen elektronischen Eigenschaften und Reaktivitätsmustern führt. Urokansäure zeigt ein signifikantes photochemisches Verhalten und unterliegt bei ultravioletter Bestrahlung einer Trans-Cis-Isomerisierung. Ihre Säure-Base-Eigenschaften umfassen zwei ionisierbare Gruppen mit pKa-Werten von etwa 3,5 für die Carbonsäure und 6,5 für den Imidazolium-Stickstoff. Die Verbindung dient als wichtiges Zwischenprodukt in der chemischen Synthese und weist einzigartige spektroskopische Merkmale auf, die für die analytische Identifizierung wertvoll sind. EinführungUrokansäure repräsentiert eine biologisch abgeleitete organische Verbindung, die zur Klasse der imidazolhaltigen ungesättigten Carbonsäuren gehört. Erstmals 1874 von Max Jaffé aus Hundeurin isoliert, leitet sich der Name der Verbindung von den lateinischen Wörtern "urina" (Urin) und "canis" (Hund) ab. Dieses heterocyclische Molekül ist von erheblichem chemischen Interesse aufgrund seines konjugierten Systems, das einen elektronenarmen Imidazolring mit einer α,β-ungesättigten Carbonsäurefunktionalität kombiniert. Die Verbindung existiert in zwei isomeren Formen, wobei die Trans-Konfiguration unter Umgebungsbedingungen vorherrscht. Urokansäure dient als Modellverbindung für die Untersuchung von Photoisomerisierungsprozessen und elektronischer Konjugation in heterocyclischen Systemen. Ihr chemisches Verhalten spiegelt das Zusammenspiel zwischen dem sauren Imidazol-Stickstoff, der Carbonsäuregruppe und dem konjugierten π-Elektronensystem wider, was zu einzigartigen Reaktivitätsmustern führt, die sich von denen einfacherer aromatischer Carbonsäuren unterscheiden. Molekularstruktur und BindungMolekulare Geometrie und elektronische StrukturDie Molekularstruktur der Trans-Urokansäure weist eine planare Konfiguration auf, wobei der Imidazolring und die Propensäureseitenkette ungefähr in derselben Ebene liegen. Die Röntgenstrukturanalyse zeigt Bindungsängen von 1,35 Å für die C=C-Doppelbindung und 1,23 Å für die Carbonyl-C=O-Bindung, was mit typischen konjugierten Systemen übereinstimmt. Der Imidazolring weist Bindungsängen von 1,37 Å für C=N-Bindungen und 1,32 Å für C-N-Bindungen auf, charakteristisch für aromatische Heterocyclen. Die Bindungswinkel an den Vinylkohlenstoffatomen betragen ungefähr 120°, was auf sp2-Hybridisierung hinweist. Der Diederwinkel zwischen dem Imidazolring und der Acrylsäureeinheit beträgt weniger als 10°, was eine effektive π-Elektronenkonjugation über den gesamten molekularen Rahmen demonstriert. Elektronenstrukturberechnungen mittels Dichtefunktionaltheorie deuten darauf hin, dass die höchsten besetzten Molekülorbitale primär auf dem Imidazolring und dem Doppelbindungssystem lokalisiert sind, während die niedrigsten unbesetzten Molekülorbitale eine größere Elektronendichte auf der Carbonsäuregruppe zeigen. Die HOMO-LUMO-Lücke berechnet sich auf ungefähr 5,2 eV, was mit den UV-Absorptionscharakteristika der Verbindung übereinstimmt. Die Natural Bond Orbital-Analyse zeigt eine signifikante Elektronendelokalisierung zwischen den Imidazolstickstoffatomen und dem konjugierten Doppelbindungssystem, was zur Stabilität und den elektronischen Eigenschaften des Moleküls beiträgt. Chemische Bindung und intermolekulare KräfteUrokansäure weist ein starkes Potenzial für intramolekulare Wasserstoffbrückenbindungen zwischen dem Carbonsäurewasserstoff und den Imidazolstickstoffatomen auf, mit berechneten Bindungsabständen von ungefähr 1,85 Å. Intermolekulare Kräfte im kristallinen Zustand umfassen konventionelle Wasserstoffbrückenbindungen zwischen Carbonsäuredimeren mit O···O-Abständen von 2,65 Å sowie N-H···O-Wasserstoffbrückenbindungen zwischen Imidazolstickstoff- und Carbonylsauerstoffatomen mit N···O-Abständen von 2,89 Å. Das Molekül besitzt ein berechnetes Dipolmoment von 4,8 Debye in der Gasphase, orientiert entlang der langen Molekülachse vom Imidazolring zur Carbonsäuregruppe. Van-der-Waals-Wechselwirkungen tragen signifikant zur Kristallpackung bei, wobei die engsten Kohlenstoff-Kohlenstoff-Kontakte 3,4 Å betragen. Das Löslichkeitsverhalten der Verbindung in verschiedenen Lösungsmitteln deutet auf eine starke Wasserstoffbrückenbindungskapazität hin, wobei die höchste Löslichkeit in polaren protischen Lösungsmitteln wie Wasser und Methanol beobachtet wird. Der berechnete Oktanol-Wasser-Verteilungskoeffizient (log P) von -0,85 spiegelt den hydrophilen Charakter der Verbindung wider, der sich aus ihren ionisierbaren Gruppen und ihrer Wasserstoffbrückenbindungskapazität ergibt. Physikalische EigenschaftenPhasenverhalten und thermodynamische EigenschaftenUrokansäure liegt bei Raumtemperatur als weißer kristalliner Feststoff mit einem charakteristischen Schmelzpunkt von 225°C vor. Die Verbindung unterliegt bei atmosphärischem Druck eher einer Zersetzung als einem Sieden, wobei der thermische Abbau oberhalb von 250°C beginnt. Die Differentialscanningkalorimetrie zeigt einen scharfen endothermen Peak beim Schmelzpunkt mit einer Schmelzenthalpie von 28,5 kJ/mol. Die durch Röntgenbeugung bestimmte kristalline Dichte beträgt 1,45 g/cm3 bei 25°C. Löslichkeitsmessungen zeigen eine moderate Wasserlöslichkeit von 12,4 g/L bei 25°C, die bei 80°C auf 38,6 g/L ansteigt. Die Verbindung zeigt eine pH-abhängige Löslichkeit mit maximaler Löslichkeit bei neutralen pH-Werten, bei denen beide funktionellen Gruppen in ionisierter Form vorliegen. In organischen Lösungsmitteln folgt die Löslichkeit der Reihenfolge: Wasser > Methanol > Ethanol > Aceton > Ethylacetat > Chloroform > Hexan. Die spezifische Wärmekapazität von fester Urokansäure beträgt 1,2 J/g·K bei 25°C. Spektroskopische CharakteristikaDie Infrarotspektroskopie zeigt charakteristische Absorptionsbanden bei 1695 cm-1 (C=O-Streckung), 1650 cm-1 (C=C-Streckung), 1550 cm-1 (Imidazolringschwingungen) und 2500-3300 cm-1 (breite O-H-Streckung). Das Fehlen scharfer O-H-Streckungsbanden oberhalb von 3000 cm-1 deutet auf starke Wasserstoffbrückenbindungen im Festzustand hin. Die Kernspinresonanzspektroskopie zeigt distinctive Protonsignale: Das Vinylproton erscheint als Dublett bei δ 6,35 ppm (J = 15,8 Hz), das β-Vinylproton als Doppeldublett bei δ 7,55 ppm und Imidazolprotonen bei δ 7,05 und 7,85 ppm in deuteriertem Wasser. Kohlenstoff-13-NMR-Signale umfassen das Carbonylkohlenstoffatom bei δ 172,5 ppm, Vinylkohlenstoffatome bei δ 118,2 und 142,5 ppm und Imidazolkohlenstoffatome bei δ 120,3, 135,6 und 138,2 ppm. Die UV-Vis-Spektroskopie demonstriert starke Absorptionsmaxima bei 210 nm (π→π*-Übergang) und 270 nm (n→π*-Übergang) in wässriger Lösung, mit molaren Extinktionskoeffizienten von 12.400 M-1cm-1 bzw. 8.700 M-1cm-1. Die massenspektrometrische Analyse zeigt einen Molekülionenpeak bei m/z 138 mit Hauptfragmentierungspeaks bei m/z 120 (Verlust von H2O), m/z 94 (Imidazolring) und m/z 66 (protoniertes Imidazol). Chemische Eigenschaften und ReaktivitätReaktionsmechanismen und KinetikUrokansäure unterliegt charakteristischen Reaktionen sowohl von α,β-ungesättigten Carbonsäuren als auch von heterocyclischen aromatischen Verbindungen. Das konjugierte System nimmt an Michael-Additionen an der β-Kohlenstoffposition mit Geschwindigkeitskonstanten zweiter Ordnung von ungefähr 0,15 M-1s-1 für Nucleophile wie Thiole und Amine teil. Die Carbonsäuregruppe zeigt typische Veresterungs- und Amidierungsreaktivität mit Umsatzraten, die vergleichbar mit denen anderer Acrylsäurederivate sind. Die photochemische Isomerisierung stellt einen besonders signifikanten Reaktionsweg dar, mit Quantenausbeuten von 0,45 für die Trans-Cis-Umwandlung und 0,38 für die Cis-Trans-Umwandlung bei Bestrahlung bei 280 nm. Das Photoschaltverhalten folgt einer Kinetik erster Ordnung mit Geschwindigkeitskonstanten von 1,2×10-3 s-1 für die Hinreaktion und 8,7×10-4 s-1 für die Rückreaktion in wässriger Lösung bei 25°C. Thermische Isomerisierung erfolgt langsam mit Aktivierungsenergiebarrieren von 105 kJ/mol für beide Richtungen. Säure-Base- und Redox-EigenschaftenUrokansäure fungiert als zweiprotonige Säure mit zwei ionisierbaren Gruppen. Die Carbonsäuregruppe zeigt pKa = 3,45, während der Imidazolium-Stickstoff mit pKa = 6,52 in wässriger Lösung bei 25°C protoniert. Die Verbindung demonstriert Pufferkapazität im physiologischen pH-Bereich mit maximaler Pufferintensität bei pH-Werten, die den beiden pKa-Werten entsprechen. Die potentiometrische Titration zeigt gut definierte Äquivalenzpunkte, die der einfachen und doppelten Deprotonierung entsprechen. Elektrochemische Studien zeigen irreversible Oxidationswellen bei +0,95 V und +1,25 V gegenüber der Standardwasserstoffelektrode, entsprechend der Oxidation des Imidazolrings bzw. des Doppelbindungssystems. Reduktion erfolgt bei -1,15 V mit teilweiser Reversibilität, zugeschrieben der Reduktion des konjugierten Systems. Die Verbindung zeigt Stabilität in reduzierenden Umgebungen, unterliegt jedoch unter stark oxidierenden Bedingungen einer graduellen Zersetzung. Synthese und HerstellungsmethodenLaborsyntheseroutenDie effizienteste Laborsynthese von Urokansäure verwendet die enzymatische Deaminierung von L-Histidin unter Verwendung von Histidin-Ammoniak-Lyase (EC 4.3.1.3), die das Trans-Isomer ausschließlich mit Umsätzen von über 95 % unter optimierten Bedingungen liefert. Typische Reaktionsbedingungen umfassen eine 50 mM Histidinlösung in Phosphatpuffer (pH 7,5) mit einer Enzymbeladung von 5 U/mL bei 37°C für 24 Stunden. Die Aufreinigung erfolgt via Säurefällung gefolgt von Umkristallisation aus heißem Wasser, was eine chemische Reinheit von mehr als 99 %, bestimmt durch HPLC-Analyse, liefert. Chemische Syntheserouten umfassen die Kondensation von Imidazol-4-carboxaldehyd mit Malonsäure in Pyridinlösung unter Knoevenagel-Bedingungen, die nach Umkristallisation eine Ausbeute von ungefähr 65 % liefert. Alternative Ansätze beinhalten Wittig-Reaktionen mit Imidazol-4-carbaldehyd unter Verwendung von Phosphoranen, abgeleitet von Ethylbromacetat, gefolgt von der Verseifung des Esterzwischenprodukts. Diese chemischen Methoden produzieren typischerweise Gemische aus Trans- und Cis-Isomeren, die eine chromatographische Trennung erfordern. Analytische Methoden und CharakterisierungIdentifikation und QuantifizierungDie Hochleistungsflüssigkeitschromatographie mit UV-Detektion bei 270 nm stellt die primäre Methode zur Quantifizierung von Urokansäure dar, unter Verwendung von Reverse-Phase-C18-Säulen mit mobilen Phasen aus wässriger Phosphorsäure (0,1 %) und Acetonitril im Gradientenelutionsmodus. Die Retentionszeiten liegen typischerweise zwischen 8,5 und 9,5 Minuten unter Standardbedingungen. Die Methode zeigt ein lineares Ansprechverhalten von 0,1 μg/mL bis 100 μg/mL mit Nachweisgrenzen von 0,05 μg/mL und Quantifizierungsgrenzen von 0,15 μg/mL. Die Kapillarelektrophorese mit UV-Detektion bietet eine alternative Trennmethodik mit höherer Auflösung für die Isomerentrennung, unter Verwendung von Boratpuffern bei pH 9,0 mit angelegten Spannungen von 25 kV. Diese Technik trennt Trans- und Cis-Isomere erfolgreich mit Basislinientrennung und Migrationszeiten von 5,2 bzw. 5,8 Minuten. Der massenspektrometrische Nachweis unter Verwendung von Elektrospray-Ionisation im Negativmodus liefert charakteristische Fragmentmuster für die bestätigende Identifizierung. Anwendungen und VerwendungenIndustrielle und kommerzielle AnwendungenUrokansäure dient als Spezialchemikalie-Zwischenprodukt in der Synthese komplexerer heterocyclischer Verbindungen, insbesondere solcher, die sowohl Imidazol- als auch Carbonsäurefunktionalitäten enthalten. Die Photoisomerisierungseigenschaften der Verbindung finden Anwendung in molekularen Schaltvorrichtungen und der Forschung an photoresponsiven Materialien. Die Produktion im industriellen Maßstab bleibt auf Spezialchemiehersteller beschränkt, mit einer geschätzten globalen Produktion von 5-10 Tonnen pro Jahr. Die UV-absorbierenden Charakteristika der Verbindung legen potenzielle Anwendungen als natürlicher UV-Filter in kosmetischen Rezepturen nahe, obwohl die kommerzielle Nutzung aufgrund regulatorischer Erwägungen begrenzt bleibt. Forschungsanwendungen umfassen die Verwendung als Modellverbindung für das Studium der elektronischen Konjugation in heteroaromatischen Systemen und als Baustein für die Forschung in molekularer Elektronik. Die Chiralität der Verbindung bei Einbau in größere Strukturen macht sie wertvoll für Anwendungen in der asymmetrischen Synthese. Historische Entwicklung und EntdeckungMax Jaffés anfängliche Isolierung von Urokansäure im Jahr 1874 aus Hundeurin repräsentierte die erste Identifizierung dieser ungewöhnlichen heterocyclischen Säure. Die Strukturaufklärung schritt in den folgenden Jahrzehnten allmählich voran, wobei die Imidazolringstruktur 1911 durch chemische Abbaustudien bestätigt wurde. Die Trans-Konfiguration des natürlich vorkommenden Isomers wurde 1938 unter Verwendung von Ultraviolettspektroskopie und chemischen Korrelationsmethoden etabliert. Signifikante Fortschritte im Verständnis der chemischen Eigenschaften der Verbindung traten in den 1950er Jahren mit der Entwicklung moderner spektroskopischer Techniken auf. NMR-Studien in den 1960er Jahren lieferten den definitiven Beweis für die Molekularstruktur und Konfiguration. Das Photoisomerisierungsverhalten wurde throughout the 1970s systematisch mit zunehmend sophisticated Lasertechniken untersucht, was zu einem detaillierten mechanistischen Verständnis der angeregten Zustandsprozesse führte. Die synthetischen Methoden haben sich von frühen chemischen Ansätzen zu modernen enzymatischen Prozessen entwickelt, die höhere Ausbeuten und isomere Reinheit liefern. SchlussfolgerungUrokansäure repräsentiert eine chemisch interessante Verbindung, die Merkmale heterocyclischer aromatischer Systeme mit α,β-ungesättigter Carbonsäurefunktionalität kombiniert. Ihre Molekularstruktur weist eine extensive π-Elektronenkonjugation auf, die zu einzigartigen elektronischen Eigenschaften und photochemischem Verhalten führt. Die Verbindung dient als wertvolles Modellsystem für das Studium von Konjugationseffekten in heteroaromatischen Verbindungen und Photoisomerisierungsprozessen. Die aktuelle Forschung konzentriert sich auf Anwendungen in der molekularen Elektronik, photoresponsiven Materialien und als Baustein für die komplexe heterocyclische Synthese. Weitere Untersuchungen ihrer elektrochemischen Eigenschaften und Koordinationschemie könnten zusätzliche Anwendungen in der Materialwissenschaft und Katalyse aufdecken. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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